Gelungene Duftmischungen herstellen

Normalerweise wird ein runder, gelungener Duft gelingen, wenn man Kopf-, Herz- und Basisnoten gekonnt miteinander kombiniert. Nur – wie geht das? Welches Vorgehen ist sinnvoll? Und was sind eigentlich Kopf-, Herz- und Basisnoten?

Die Kopfnote
Sie bestimmt den ersten Eindruck beim Riechen – das ist das, was einem entgegenduftet, sobald man ein Fläschchen öffnet. Sie sind die Eröffner des Duftreigens und verfliegen relativ schnell, bestimmen aber auch ob man eine Duftkomposition sofort ablehnt oder gut findet.

Die Herznote
Sie ist das Mittelstück einer Komposition – sie kommt einem langsam entgegengeflogen, sobald sich der erste “Kopfeindruck” verflüchtigt hat und das Herz aus dem Duft hervorschimmert. Jene Note hält schon länger als eine Kopfnote. Für Parfümeure ist sie das wichtigste Element – sie kreiieren einen Duft rund um die Herznote (meistens).

Die Basisnote
Sie ist das Fundament, auf dem ein Duft steht. Sie bleibt uns am längsten erhalten und sie begleitet uns den gesamten Duftverlauf hinweg, bis nur noch sie am Schluss übrig bleibt.

Erste Annäherungen an “deinen” Duft
Ein gelungener Duftverlauf entsteht, wenn man ätherische Öle so miteinander kombiniert, dass es keine großen Brüche zwischen den einzelnen Noten gibt. In der Parfümerie geht man davon aus, dass der Großteil eines Parfums die Kopfnote sein sollte, das Herzstück mittel dosiert und die Basisnote dezent dosiert sein sollte. Ich verzichte ganz bewusst auf Verhältnisangaben, weil jene für die eigene Nase völlig unerheblich sind. Wenn du dich entscheidest einen Lieblingsduft für dich selbst zu mischen befindest du dich in der komfortablen Situation, dass du nichts kreiieren musst, was massentauglich ist und einem breiten Publikum gefallen muss – du musst keine Absatzmärkte bedienen, keine Zielgruppe, sondern einzig und allein dich selbst.

Wenn wir uns unser eigenes Parfum, unseren eigenen Wohlfühlduft mischen, dann können wir uns ganz unserer Nase anvertrauen – sie alleine bestimmt, ob wir nur ein einziges ätherisches Öl oder mehrere benötigen, ob wir mehr Basis- oder mehr Kopfnoten möchten.

Die größte Hilfe beim Erriechen sind Duftstreifen. Ein Tropfen ätherischen Öles auf einem Duftstreifen kann einem ganze Duftwelten eröffnen. Man kann dem Verlauf eines Duftes nachspüren – wo geht der Duft hin, was fühle ich beim Riechen, wie entwickelt sich der Duft? Versenk dich in ein einziges ätherisches Öl, spüre ihm nach, lass dich von den Düften selbst leiten. Rieche nochmals nach 5 Minuten, nach einer Stunde, nach 3 Stunden, am nächsten Tag. Spüre, wie sich der Duft verändert, wohin er in deinem Körper geht, was er bei dir auslöst. Mach das mit vielleicht drei ätherischen Ölen pro Tag – da bist du schon eine Zeit lang beschäftigt. Sehr hilfreich ist dazu das Führen eines Dufttagebuches.

Hat man so nun  einzelne ätherische Öle gefunden, die einem gefallen kann man anfangen zu experimentieren – auch dazu sind Duftstreifen die besten Begleiter.

Kombiniere die Riechstreifen miteinander. Halte mal zwei Riechstreifen unter deine Nase? Riecht das für dich gut? Riecht es vielleicht besser, wenn ich einen Riechstreifen etwas näher zur Nase bringe und den anderen weiter weg? Riecht es besser, wenn ich noch einen anderen Duftstreifen dazunehme, wenn ich einen davon austausche? Bei dieser Vorgehensweise kannst du dich deiner Nase anvertrauen. Was ihr gefällt, ist richtig für dich.

Falls du zwischendurch nichts mehr riechst, dann schnuppere an frisch vermahlenen Kaffeebohnen – das macht die Nase wieder aufnahmefähiger.

Auf diese Art und Weise kannst du, ohne die Substanzen zu vermischen, nachspüren welche Duftkombinationen dir gefallen.

Notiere dir welche Riechstreifen zusammen für dich einen harmonischen Duft ergeben. Hast du dir aufgeschrieben, ob ein Riechstreifen näher an der Nase war als der andere? Das gibt dir  Aufschluss darüber, in welcher Dosierung du die einzelnen ätherischen Öle miteinander vermischen kannst.

Die Herstellung der Pur-Mischung
Hast du nun eine Duftkombination gefunden, die dir gefällt, kannst du dich ans Mischen machen.

Dazu brauchst du eine kleine Braunglasflasche, deine Lieblingsöle, unbedingt dein Dufttagebuch und Durchhaltevermögen.

Von dem Duftstreifen, der deiner Nase am weitesten entfernt war gibst du einen Tropfen in das Fläschchen, von dem nächsten zwei, dem dritten drei, usw. Schau dir das Foto an – hier würde ich 1 Tropfen Sandelholz, zwei Tropfen Tonka absolue (das in Weingeist vorverdünnt ist), 3 Tropfen Orange, süß und zwei Tropfen Ylang-Ylang in das Fläschchen träufeln.

Wenn du deine ätherischen Öle zusammengemischt hast, kannst du deine Duftmischung erstmal beiseitestellen und reifen lassen. Nach einer Woche kannst du vielleicht mal einen Duftstreifen damit beträufeln und dem Duft genauso nachspüren, wie du das bereits mit den Einzelölen gemacht hast. Gefällt es dir noch? Hat sich was verändert? In der Woche, in der du das Fläschchen vorreifen lässt kannst du dich weiteren Einzelölen widmen und Dufterfahrungen sammeln. Vielleicht ist eines dabei, das dir in dieser Komposition noch gefallen könnte? Probier es aus, indem du wieder die Duftstreifen zu Hilfe nimmst. Vielleicht ändert sich der Duft deiner Komposition so, dass eines deiner Lieblingsöle so gar nicht mehr wahrnehmbar ist. Wenn dir das missfällt, so versuche wieder anhand eines Duftstreifens herauszufinden, ob du mit der Dosierung eventuell höher gehen möchtest. Nach zwei Wochen Reifezeit kannst du dich an ein vorläufiges Resümee wagen. Jetzt entscheidest du, ob deine Mischung für dich stimmig ist oder nicht.

Nehmen wir mal an, dass sie es nicht ist – wie weitermachen? Wenn sie dir so überhaupt gar nicht mehr gefällt, dann hast du nicht viele Tropfen ätherischer Öle verschwendet. Verbuche es unter “Erfahrung sammeln”. Wenn sie dir aber schon gefällt, dir aber noch etwas Pepp fehlt, dann teste dich mit deiner Mischung und anderen (oder auch den alten) Einzelölen wieder an eine eventuelle Dosierung heran, indem du die Duftstreifen in verschiedenen Entfernungen zu deiner Nase gemeinsam ausprobierst. Träufel danach wieder das oder die ausgewählten ätherischen Öle dazu und geb dieser Mischung wiederum zwei Wochen Zeit um zu reifen und zusammen zu wachsen. Ich vertreibe mir diese Wartezeit immer damit weitere Einzelöle auszutesten, Dufttagebuch zu führen – im Laufe der Zeit entwickelst du ganz alleine ein Gespür für gelungene Kreationen.

Hast du aber tatsächlich eine Mischung gefunden, die dir gefällt, die du gerne an dir tragen möchtest, mit der du dich wohlfühlst, dann geht es weiter.

Die Herstellung deines eigenen Parfums

Du hast mehrere Möglichkeiten dein persönliches Parfum herzustellen. Vorausgesetzt, du hast eine geliebte Ätherisch-Ölmischung, dann kannst du nun entscheiden, in welches Medium du diese geben möchtest. Zur Info für dich – ich bevorzuge dezente Parfums, weiche also mit Sicherheit von den Dosierungsempfehlungen anderer Seiten ab.

Das Duftgeistwasser
Hierzu nehme ich reinen Bio-Weingeist – nicht vergällt und ohne Zusätze (das kosmetische Basiswasser, das es zu kaufen gibt ist zwar günstig, aber ich persönlich mag den Geruch nicht). 9 ml reiner Weingeist mit 10 Tropfen der Mischung vermischen, gut durchschütteln, bis sich alle Ingredienzen gelöst haben. Spätestens jetzt sollte man das Duft-Weingeist-Gemisch in ein klares Becherglas füllen, weil man nun gute Sicht braucht und ein Braunglasfläschchen das nicht bietet. Nun gebe ich tropfenweise (!) entweder ein Hydrolat (z.B. Rosenhydrolat) dazu oder reinstes Wasser. Das Wasser oder Hydrolat dient dazu dem Weingeist die Spitze zu nehmen und dein Parfum verdunstet nicht so schnell wie mit purem Weingeist. Sobald sich die Mischung leicht eintrübt (und das geht schnell! Daher bitte wirklich nur tropfenweise Wasser dazugeben!) ist der Zeitpunkt erreicht, wo du aufhören musst. Das Ziel ist: so wenig Weingeist wie nötig und so viel Wasser wie möglich unterzubringen. Ist zu viel Weingeist in der Mischung, dann kann es sehr die Haut reizen und das Ethanol wird immer etwas hervorstechen. Ist jedoch zu viel Wasser (oder Hydrolat) in der Mischung, dann lösen sich die ätherischen Öle nicht mehr so gut in dem Medium und du wirst Ausfällungen in deinem Parfum haben. Als Anhaltspunkt kann ich dir mitgeben, dass ich höchstens bis zu 20% Wasser unterbringen konnte. Es kommt immer darauf, welche ätherischen Öle eingesetzt wurden. Je dickflüssiger ein ätherisches Öl ist oder je mehr Basisnote, desto weniger Wasser kann gelöst werden. Das Weingeistparfum braucht vier Wochen Reife- und Ruhezeit, bis sich alle Ingredienzen zu einem runden Ganzen verbunden haben. Danach kannst du es in eine kleine Sprayflasche oder in ein Pipettenfläschchen abfüllen und benutzen.

Das Duftöl
Das perfekte Öl für deine persönliche Mischung ist das Jojobaöl. Es ist erstens (fast) geruchlos und zweitens oxidativ stabil. Nichts ist ärgerlicher, wenn dein Duftöl anfängt ranzig zu riechen, weil dein verwendetes fettes Öl das Ablaufdatum überschritten hat. Auf 10 ml Jojobaöl gibst du 10 Tropfen deiner Mischung und lässt das Ganze nochmals zwei Wochen reifen. Der Reifeprozess in einer fettigen Grundlage ist ungefähr halb so lang wie bei einem Weingeist-Gemisch. Perfekt für den täglichen Gebrauch eignen sich kleine Roll-Ons, die du dann an den Pulsstellen auftragen kannst. Mischungen mit Jojobaöl halten etwas länger auf der Haut als Weingeist-Mischungen.

Die Duftpomade
Du stellst aus Bienenwachs und Jojobaöl eine Pomade her. 2 g Bienenwachs (oder Beerenwachs, falls der Duft des Bienenwachses nicht zu deiner Mischung passen würde) und 8 gr. Jojobaöl miteinander im Wasserbad aufschmelzen, bis alles klar aufgeschmolzen ist. Gut miteinander verrühren und in ein kleines Döschen abfüllen. Auf diese Menge gebe ich 10 Tropfen der Duftmischung dazu. In dieser Form der Zubereitung hält sich der Duft länger als bei den vorherigen Variationen – er wird aber auch etwas weniger spritzig als die Weingeist-Variante.

Wenn du tiefer in die Materie der Parfumherstellung einsteigen möchtest, dann empfehle ich dir das Aromatische Blog. Hier werden zwar keine reinen Naturparfums besprochen, aber es schreibt jemand mit viel Sachverstand und auch Herz. Wer sich also nicht daran stört, dass hier auch viel Synthetisches besprochen wird, kann für sich selbst viel mitnehmen. Den Blick über den Tellerrand finde ich immer ausgesprochen spannend.

Ich wünsche viel Freude beim Mischen!

 

 

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